7 Tipps, wie Sie Ihre Tochter unterstützen können, wenn ihre Brüste zu wachsen beginnen

Wenn die Brüste knospen, beginnt eine besondere Zeit voller Aufregung und Freude, aber auch voller Unsicherheit und Angst. Finden Sie heraus, wie Sie Ihre Tochter dabei klug begleiten können.

von Barbara Pietruszczak

Wenn die Brüste knospen, beginnt eine besondere Zeit voller Aufregung und Freude, aber auch voller Unsicherheit und Angst. Finden Sie heraus, wie Sie Ihre Tochter dabei klug begleiten können.

© Cat / Adobe Stock Photos

1. Stellen Sie sie nicht bloss

Begegnen Sie den Veränderungen, die im Körper Ihrer Tochter stattfinden, mit Ernsthaftigkeit und Respekt. Und bleiben Sie dabei möglichst natürlich. Wenn Sie können, bitten Sie Ihre Familie (inklusive Tanten, Onkel, Grosseltern), unnötige Kommentare zu unterlassen. Besprechen Sie dieses Thema auch nicht mit anderen Erwachsenen vor dem Mädchen oder hinter seinem Rücken. Das ist ihre Privatsache und sie kann entscheiden, ob sie mit jemand anderem darüber sprechen möchte oder nicht.

2. Informieren Sie sich und suchen Sie das Gespräch

Um Ihrer Tochter zu helfen, besser zu verstehen, was mit ihr los ist,  können Sie (alleine oder gemeinsam) mehr über Brüste, ihren Aufbau und  ihre Funktion – das Füttern von Säuglingen – lesen. Sie können auch den  «Körperwunderland»-Artikel aus der Ausgabe 5 von KALEIO verwenden, in  dem ich beschreibe, was im Körper eines Mädchens passiert, wenn ihre  Brüste wachsen. Damit haben Sie einen guten Ausgangspunkt für Fragen und  Gespräche. Wichtig ist es, dass Sie im Gespräch mit Ihrer Tochter nicht  auf das Aussehen der Brüste fokussieren.

3. Helfen Sie ihr, ihren ersten BH auszusuchen

Fragen Sie Ihre Tochter zunächst, ob sie überhaupt schon einen BH möchte und ob sie Sie beim Aussuchen mit dabei haben will. Es könnte sein, dass das eine Mädchen schon lange von einem Sport-BH träumt, während ein anderes davon noch gar nichts wissen will. Erfragen Sie ihre Bedürfnisse und respektieren Sie diese. Erklären Sie auch, dass die Funktion von BHs darin besteht, den Körper beim Tragen der Brüste zu unterstützen. Aber jede Frau entscheidet für sich selbst, was für sie am bequemsten ist. Beim Sport wird ein BH sicherlich nützlich sein.

4. Werden Sie sich bewusst, wie Sie zu Ihren Brüsten und jenen anderer stehen

Kinder lernen durch Nachahmung. Falls Sie eine Mutter sind, ist es wichtig, wie Sie sich zu Ihren Brüsten verhalten und ob Sie die Brüste anderer Frauen kommentieren (das gilt natürlich für den ganzen Körper). Wenn ein Mädchen von Frauen, die ihr nahestehen, hört: «Ich wünschte, ich hätte grössere Brüste» oder «Meine Brüste hängen», lernt sie, dass das Aussehen von Brüsten wichtig genug ist, dass man darüber spricht. Sie verinnerlicht auch, dass es zum Frausein dazugehört, mit seinem Körper unzufrieden zu sein. Ähnlich verhält es sich, wenn sie Kommentare von geliebten Menschen (Männern und Frauen) über die Brüste anderer hört («Die da hat richtig Holz vor der Hütte!»). Das signalisiert ihr, dass es in Ordnung ist, das Aussehen von jemandem auf diese Weise zu beurteilen, und dass Brüste, für die es offenbar ungeschriebene Schönheitsstandards gibt, häufiger kommentiert werden als der Rest des Körpers. Diese Einstellung kann dazu führen, dass sie den eigenen Körper und die Körper anderer Mädchen oder Frauen zu objektivieren beginnt. Mehr zu dem Thema erfahren Sie unter anderem im Buch «Beauty Sick. How the Cultural Obsession with Appearance Hurts Girls and Women» von Renee Engeln (derzeit nur auf Englisch erhältlich).

Illustration: Anna Moderska

5. Feiern Sie die Vielfalt

In der Pubertät vergleichen sich Jugendliche immer stärker miteinander. Mädchen fragen sich, ob sie sich gut entwickeln, vergleichen ihre Brüste mit denen ihrer Freundinnen. Sie sind auch auf Social Media unterwegs, wo sie oft nur einen Typ von Körper und Schönheit antreffen. Deshalb sind Erfahrungen, bei denen ein Mädchen Körper von Frauen unterschiedlichen Alters in einer natürlichen Umgebung sehen kann, z. B. im Schwimmbad in der Umkleidekabine, sehr wertvoll. Auf der Website der Fotografin Laura Dodsworth finden Sie Bilder von sehr unterschiedlichen Brüsten. Sie können sie sich mit Ihrer Tochter ansehen, wenn Sie das für eine gute Idee halten.

6. Hören Sie ihr zu und seien Sie da

Mädchen entwickeln sich sehr unterschiedlich. Einige kehren nach den Sommerferien verwandelt in die Schule zurück, mit fast ausgewachsener Brust, während andere gerade erst anfangen zu knospen. Für Ihre Tochter kann dies mit allen möglichen Gefühlen verbunden sein: «Anne hat schon Brüste und ich noch nicht!» Oder: «Keine von ihnen hat Brüste, ausser mir. Ich komme mir sehr dumm vor.» Es ist eine gute Idee, Ihrer Tochter ganz genau zuzuhören und ihr zu erklären, dass jeder Mensch anders und einzigartig ist und sich in seinem eigenen Tempo entwickelt.

7. Handeln Sie

In der Pubertät sind die Reaktionen mancher Jungs auf die sich verändernden Körper ihrer Kolleginnen nicht immer angemessen. Es ist wichtig, Jungen in dieser Zeit nicht zu verteufeln: Ich meine das nicht im Sinne von «So sind sie halt», sondern weil sie vielleicht bis anhin kein gutes Vorbild hatten und einfach versuchen, mit ihren Emotionen so gut es geht alleine zurechtzukommen. Gleichzeitig sollte ein solches Verhalten nicht kleingeredet oder als unbeholfenes Necken abgetan werden. Vor allem wenn das NEIN des Mädchens nicht gehört und nicht ernst genommen wird. Vulgäre Kommentare oder das Spicken von BH-Trägern sind übergriffig, sie verletzen persönliche Grenzen. Mädchen und Jungen, Lehrer:innen, Erzieher:innen und andere Eltern müssen darüber informiert werden. Falls erforderlich, ist es eine gute Idee, zusätzliche pädagogische Aktivitäten zu organisieren, die sich um die Themen Grenzen und Empathie drehen. Mädchen müssen wissen, dass niemand, auch nicht unter dem Vorwand eines Scherzes, das Recht hat, ihre Grenzen zu verletzen und ihnen Unbehagen zu verursachen. Und nur weil sie sich wehren und nicht einverstanden sind, bedeutet das nicht, dass sie «keinen Spass verstehen», sondern dass sie für sich einstehen.

Kinder lernen von Erwachsenen, also sind wir diejenigen, die ihnen von Anfang an vorleben, wie man mit den Grenzen anderer Menschen umgeht: ob man sie respektiert oder ignoriert. Und ob wir für unsere eigenen Grenzen einstehen oder zulassen, dass sie überschritten werden.

Übung

Falls Sie eine Mutter sind, erinnern Sie sich daran, wie es war, als Ihre Brüste zu wachsen begannen. Was haben Sie damals gebraucht, was hat Sie gestört? Denken Sie daran, dass die Situation Ihrer Tochter möglicherweise eine ganz andere ist. Aber vielleicht ist der Erfahrungsaustausch wichtig und bereichernd für Ihre Beziehung. Drängen Sie sie aber nicht. Respektieren Sie, wenn sie nicht auf Sie hören will.


Über die Autorin: Barbara Pietruszczak ist Journalistin mit den Schwerpunkten Menstruation, Körperbild, Sexualität und sexuelle Tabus. Sie ist die Autorin der KALEIO-Rubrik «Körperwunderland».

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