Geschlechter-Stereotype sitzen tief – kulturelle auch

Ein Hinweis im K-Tipp verschlägt uns die Sprache. Aber nicht lange: Warum wir mit einem polnischen Magazin zusammenarbeiten und damit Mädchen in der Schweiz eine Stimme geben.

Diese Woche erschien im K-Tipp ein Hinweis zu KALEIO, der uns kurz die Sprache verschlagen hat. Wir sind sehr traurig über das, was hier zwischen die Zeilen gepackt wurde, und darüber, wie stark kulturelle Stereotype bedient werden. 

In der K-Tipp-Ausgabe 11/2021 erschien dieser kurze Artikel über Kaleio.

«Made in Polen» – seriously, K-Tipp? Impliziert ihr damit, dass wir Billigware aus dem Osten vertreiben? Impliziert ihr, dass nur gut und richtig ist, was aus der Schweiz kommt? Das ist kulturelles Überlegenheitsdenken, das auf den Müllhaufen der Geschichte gehört.

Internationale Kooperationen sind in der Verlagsbranche gang und gäbe. Wir haben die Zusammenarbeit mit dem polnischen Magazin «Kosmos dla dziewczynek» nie verheimlicht, sondern sie auf unserem Blog mehrfach gefeiert (hier und hier). In unseren Q&A wird sie transparent kommuniziert. Alle Stiftungen und Institutionen, die uns unterstützen, sind über diese Zusammenarbeit informiert. 

Auch in Interviews sprechen wir stets offen über die polnischen Wurzeln des Magazins (z. B. in der annabelle, in SRF2 Kultur, im Tages-Anzeiger, in der Schweizer Illustrierte). Die meisten Leute sind über diese Medien auf unser Crowdfunding gestossen.Für manche war die polnische Herkunft sogar ein Pluspunkt. Denn sie wissen: Die feministische Bewegung in Polen ist sehr aktiv.

Am wichtigsten ist aber: Ja, wir geben Mädchen in der Schweiz eine Stimme. Wir besuchen sie für Interviews, wir fragen sie nach ihrer Meinung, wir drucken ihre Leserinnenbriefe ab, wir stellen ihre Lieblingsbücher vor. Wir lassen unsere Leserinnen in so vielen Rubriken wie möglich zu Wort kommen. Und wir schreiben in jeder Ausgabe Artikel für und über die Schweiz. Aus dem polnischen Magazin übersetzen und übernehmen wir die Seiten, die universell gültige Themen behandeln: Experimente, Bastelanleitungen, Tiere und Umwelt, Psychologie. Und viele der tollen Illustrationen.

All das lässt der K-Tipp wissentlich aus und bedient stattdessen das klischierte Bild undurchsichtiger Machenschaften, die nach Polen führen. Dass mehrere der «Autoren mit polnischem Namen» (es sind übrigens Autorinnen …) seit Jahren oder sogar seit Geburt in der Schweiz leben, zieht er gar nicht erst in Erwägung. Und wir fragen uns: Sollen wir uns etwa «ertappt» fühlen? Bei etwas, das wir schon immer kommuniziert haben? Bei einer transkulturellen Zusammenarbeit, dank derer die Schweiz um ein vielfältiges Magazin reicher ist? Bei einer Kooperation, die eine progressive Kraft in Polen stärkt?

Nicht mit uns: Wir sind absolut begeistert von der Arbeit der polnischen Redaktion, aus deren Fülle wir mit freier Hand das Beste herauspicken dürfen und auf deren Basis wir mit sehr begrenzten Mitteln alle zwei Monate ein bestärkendes und inspirierendes Magazin für Mädchen in der Schweiz kreieren können. 

Was uns der K-Tipp aber vor Augen geführt hat: Nicht nur Genderstereotype sitzen tief, sondern auch kulturelle Stereotype. Und gegen diese wehren wir uns genauso sehr. Wir wollen mit KALEIO den Ideenaustausch fördern zwischen Mädchen und Frauen, sowohl in der Schweiz, über den Röstigraben hinweg, als auch über die Landesgrenzen hinaus. Lasst uns über den Tellerrand schauen: Länderübergreifende Zusammenarbeit für mehr Geschlechtergerechtigkeit und Gedankenvielfalt sollte gefeiert und vertieft, nicht bemängelt werden.


Laura Simon ist freiberufliche Lektorin und Projektleiterin sowie Mitinitiantin von «KALEIO – Das Magazin für Mädchen (und den Rest der Welt)».

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