Titelbild © Joanna Kurowska
Die beste Freundin kann Anker und Zuflucht sein. Manchmal aber wird sie zur Quelle von tiefem Freundschaftsliebeskummer. Die Psychologin, Autorin und Mutter dreier Töchter Verena Friederike Hasel erzählt gemeinsam mit ihrer 13-jährigen Tochter Penelope, wie prägend diese Beziehungen sind – für Kinder und Eltern.
KALEIO: Penelope, hast du eine beste Freundin?
Penelope: Ja, wir sind seit dem Kindergarten befreundet und waren eigentlich immer beste Freundinnen. Auch dann, als wir phasenweise nicht auf die gleiche Schule gingen oder ich mit meiner Familie für eine Weile in Neuseeland lebte.
Friederike: Ich finde, ihr zwei habt eine absolut positive Dynamik miteinander. Es ist eine sehr gesunde, gleichwertige Beziehung, mit dem gleichen Maß an Zuneigung auf beiden Seiten. Ihr bringt das Beste aneinander hervor.
Ist das deiner Erfahrung nach eher die Ausnahme oder die Regel?
Friederike: Wenn sich eine Freundschaft verändert oder sich eine Freundin gar abwendet, ist das mit großem Kummer verbunden. Ich denke, dass Freundschaftsliebeskummer tatsächlich ziemlich häufig vorkommt. Wenn eine meiner Töchter so was erlebt, dann schneidet mir das ins Herz.
Hast du schon Freundschaftsliebeskummer erlebt, Penelope?
Penelope: Eher nicht. Aber ich hatte mal eine Freundin, mit der es schwierig war. Lange Zeit habe ich das verdrängt. Ich habe zwar gespürt, dass meine Mama fand, dass da etwas nicht gut läuft. Aber immer, wenn sie etwas gegen diese Freundin sagte, habe ich direkt abgeblockt und sie in Schutz genommen. Erst im Nachhinein habe ich gemerkt, dass es wirklich schwierig war mit ihr.
Das war für dich, Friederike, sicher nicht leicht, als du spürtest, dass diese Freundschaft deiner Tochter nicht guttut.
Friederike: Natürlich möchte man seinen Kindern immer helfen. Aber das tut man nicht, indem man ihnen Erfahrungen versagt. Das habe ich damals auch irgendwann realisiert und aufgehört, Penelope auf diese Freundin anzusprechen. Gewisse Sachen muss man selbst durchleben. Es braucht manchmal ein bestimmtes Maß an Frustration und Verärgerung, bis man etwas dagegen unternimmt.
Gibst du ihnen auch konkrete Ratschläge?
Friederike: Manchmal. Natürlich sind die unterschiedlich, weil sie ja alle eine andere Persönlichkeit haben. Der einen würde ich eher raten, sich bei einem Konflikt nicht so schnell die Schuld zu geben. Der anderen würde ich vielleicht sagen, sie solle nicht so unversöhnlich sein.
Warum ist es für viele Mädchen so wichtig, eine beste Freundin zu haben?
Penelope: Ich habe auch viele andere Freundschaften und zwischen ihnen und meiner besten Freundin liegen nicht Welten. Trotzdem ist die beste Freundin besonders wichtig. Da ist einfach dieses Gefühl, dass sie ganz zu mir gehört und ich für sie die Nummer eins bin. Dass ich mich komplett auf sie verlassen kann und sie zu mir steht. Ich glaube, das braucht doch jeder Mensch ein bisschen.
Friederike: Ich denke, dass in dieser Lebensphase die beste Freundin eine so große Bedeutung hat, weil sich besonders viel verändert. Da kann eine beste Freundin Resilienz und Schutz vermitteln. Später – in den Zwanzigern – entspannt sich das wieder.
Verliert man als Mutter beziehungsweise als Eltern auch ein wenig an Bedeutung, je wichtiger die beste Freundin ist?
Friederike: Bei meiner ältesten Tochter musste ich tatsächlich erst ein wenig lernen, mich zurückzunehmen. Das war meinerseits mit einer Art Liebeskummer verbunden, weil ich meine Tochter ein Stück weit gehen lassen musste. Jetzt beobachte ich mit großer Freude, wie eng sie mit ihrer besten Freundin ist, und genieße es, sie auch gut zu kennen.
Wie unterstützt du deine Töchter beim Abenteuer „Freundschaften“?
Friederike: Am wichtigsten ist es mir, dass sie ihre Freundinnen und Freunde nach Hause bringen und hier Zeit zusammen verbringen können. Ich betrachte sie ein bisschen als Familienerweiterung. Meine Kinder sollen möglichst viel Alltagserfahrung mit ihren Freundinnen erleben können, und ich finde es schön, wenn ich dadurch ihre Freundinnen besser kennenlerne. Ich wünsche mir, dass meine Töchter, wenn sie erwachsen sind und zurückblicken, sich an ihr Zuhause als ein offenes Haus erinnern.


