Für mehr Vielfalt: Porträt einer aktivistischen Unternehmerin

Nadine Ndjoko Peisker ist ausgebildete Juristin und Mutter von zwei Kindern. 2016 wagte sie es, sich neu zu erfinden. Sie gründete Ownbrown, eine Unterwäschemarke, die rassistische Stereotypen bekämpft und die Vielfalt des Körpers Schwarzer Frauen würdigt. Wir haben sie zum Gespräch eingeladen.

KALEIO: Sie haben Ihre Karriere als Anwältin im Kanton Bern begonnen. Was war der Auslöser dafür, dass Sie sich in einem ganz anderen Bereich, nämlich in der Mode, selbstständig gemacht haben?

Nadine Ndjoko Peisker: Anwältin zu sein braucht Leidenschaft, und ich hatte dieses Herzblut nicht. Ich wollte mich für eine Sache engagieren, die für mich wirklich Sinn macht. Die Mode hatte mich schon immer gereizt. Der Auslöser? Als ich als Anwältin arbeitete, gab es einen unausgesprochenen Dresscode. Ich durfte als Frau nur Jupes tragen, auch im Winter. Doch es gab keine Nylonstrumpfhosen, die zu meinem Hautton passten. Da ich durchaus eitel bin, frustrierte es mich. Dieses Detail, das für manche vielleicht oberflächlich scheint, ist meiner Meinung nach sehr wichtig. Denn dieses Konzept «hautfarbener» Strumpfhosen definiert die weisse Haut als Norm. Also wollte ich etwas in Bewegung bringen, damit das Wort «hautfarben» mit einer vielfältigeren Farbpalette in Verbindung gebracht wird.

Sie haben nicht nur Ihr eigenes Unternehmen gegründet, sondern setzen mit Ihrer Marke auch Ihre aktivistischen Ideen in die Tat um. Wie sehen Sie die politische Dimension Ihrer Arbeit?

Als Frau, und insbesondere als Schwarze Frau, beschäftigt mich die Frage nach dem Platz, den rassistisch aufgeladene Körper im öffentlichen Raum einnehmen. Viele Stereotype führen zu einer negativen Darstellung des Schwarzen Körpers. Ich wollte dazu beitragen, ihn uns wieder anzueignen und ihn zu rehabilitieren. Dazu gehören Überlegungen wie: Wie kann ich diese Frauen zeigen, ohne in sexistische und rassistische Klischees zu verfallen? Ich denke, dass mein aktivistischer und kritischer Blick mir eine gesunde Distanz erlaubt. Und ich hoffe, dass meine afrofeministische Sicht via Ownbrown eine neue Perspektive auf diese Darstellungen bringt.

«Hier wurden die Forderungen auf Luftballons geschrieben. Wir wollten diese Körper mehr zu Akteuren ihrer Darstellung machen. Ich habe auch mit dem Afro›-Haarschnitt gespielt, um den Aspekt der Freiheit zu betonen. Meiner Meinung nach machen diese kleinen Elemente einen grossen Unterschied in der Emanzipation Schwarzer Frauen aus.»

Wie ist das Feedback Ihrer Kundinnen?

Sie sind glücklich mit der Qualität und den Schnitten der Dessous sowie den verschiedenen Farbtönen. Es war sehr schwierig, eine Auswahl zu treffen, da es etwa 35 verschiedene Hautfarben gibt. Wir haben diese Palette bei unserer Unterwäsche und den Strumpfhosen auf vier Farbtöne reduziert. Wir haben auch positive Rückmeldungen insbesondere zu den High-Waist-Slips erhalten, da diese besser zum Körperbau unserer Kundinnen passen.

Neben Ihrer Arbeit für Ihre Dessous-Marke engagieren Sie sich auch in verschiedenen Organisationen gegen Rassismus. Seit wann sind Sie Aktivistin?

Ich glaube, vor allem seit ich Mutter bin, denn meine Kinder haben in der Schule Rassismus erlebt. Als Elternteil hat es mich geschmerzt, meinen Jungen erklären zu müssen, was für Strategien sie anwenden können, um mit Rassismus umzugehen. Entscheidend war für mich die Entdeckung des Vereins CABBAK, der Teil des Netzwerks Mosaïk in Biel ist. Im Rahmen des Vereins begann ich, in den Schulen über Rassismus zu sprechen. Die Ziele meines Berufs und meines Engagements gegen Rassismus entsprechen und ergänzen sich und bilden ein zusammenhängendes Ganzes zugunsten von mehr Vielfalt.

Dank dieses Vereinsnetzwerks werden Sie auch an der Gründung eines ganz neuen Festivals im Kanton Neuenburg beteiligt sein.

Genau: Das Festival Black Helvetia wird im Oktober 2022 in La Chaux-de-Fonds beginnen und bis Mai 2023 andauern. Diese Veranstaltung ist Teil der Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen des Integrationsdienstes des Kantons Neuenburg. Ich habe mich mit Freude in diese Veranstaltung eingebracht, da die Themen gerade auch den Platz des Schwarzen weiblichen Körpers im öffentlichen Raum ansprechen.

Nadine Ndjoko Peisker ist ausgebildete Juristin, Unternehmerin und Mutter von zwei Kindern.

Wir überlassen Ihnen das Schlusswort …

Auch wenn der Rassismus in seiner brutalen Form weniger präsent ist, bleibt der systemische Rassismus bestehen. Integrationskämpfe sind nie selbstverständlich, man muss immer wachsam bleiben, um ein Abgleiten zu verhindern. Heute sind die Ressourcen vorhanden, um sich zu informieren und die in uns noch vorhandenen rassistischen Stereotypen zu dekonstruieren. Ich appelliere also an die individuelle Verantwortung, sich selbst zu dekonstruieren!

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Im Magazin

In der Kaleio-Ausgabe Nr. 9: Regenbogen, welche die Themen Farben, Vielfalt, Hoffnung und Respekt aufgreift, findest du auch ein Interview mit Nadine Ndjoko Peisker über ihren Werdegang.

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